
Ohne Strom: Orgelmusik in Hohn durch Blasebalg
Die historische Orgel in der Marienkirche in Hohn ist im Sommer 2025 generalüberholt und dabei teilweise wieder in den ursprünglichen Zustand aus dem Jahr 1879 zurückgeführt worden. Da das Instrument über eine voll funktionsfähige Balgtretanlage verfügt, kann sie auch rein durch Muskelkraft mit Wind versorgt und damit komplett ohne Strom gespielt werden.
Hohn, Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde
August 2025 bis November 2025
Restaurierung und Wartung der Orgel
Historische Marcussen-Orgel
Umfassende Wartung und Sanierung war nötig
Am ersten Advent 2025 war es soweit: Die Marcussen-Orgel aus dem Jahr 1879 in der Marienkirche in Hohn wurde nach ihrer teilweisen Restaurierung eingeweiht. “Alle 20 bis 25 Jahre muss eine Generalreinigung durchgeführt werden”, berichtet Organistin Renate Kobler. Dank ihres Engagements und mit der Unterstützung durch Pastorin und Kirchengemeinderat wurden nun auch mehrere Restaurierungs- und Wartungsarbeiten beauftragt.
So setzte die Kieler Orgelbaufirma Paschen auch einen undichten Kastenbalg wieder instand, der sowohl für den Motorbetrieb als auch für den Betrieb der Orgel durch Kalkanten (so werden die menschlichen Balgtreter genannt) gebraucht wird. Da das Instrument über eine voll funktionsfähige Balgtretanlage verfügt, kann die Orgel auch rein durch Muskelkraft mit Wind (so wird die bewegte Luft in einer Orgel genannt) versorgt und damit komplett ohne Strom gespielt werden.

Konfis sollen nun wieder treten
Das Treten der Blasebälge war früher eine Aufgabe der Konfirmand:innen und so soll es nach Wunsch von Renate Kobler auch künftig wieder sein: “Die derzeitigen Konfis sollen in diese Aufgabe eingeführt werden. Sie lernen so auch viel über Bau und Funktion dieser mechanischen Orgel.” Dies schaffe auch Bewusstsein für das Thema Vermeidung des Einsatzes von Motoren, dort, wo Strom durch menschliche Muskelkraft ersetzt werden kann.
Auf dem Foto sieht man eine Wand der sogenannten “Kalkantenkammer”, in der sich die Pedale für die Blasebälge befinden, die getreten werden müssen. Hier haben sich schon vor mehr als 100 Jahren Konfis verewigt.
Fakten auf einen Blick
- Historische Marcussen-Orgel aus dem Jahr 1879 in der Marienkirche in Hohn.
- Umfassende Generalreinigung war nach 25 Jahren wieder nötig.
- Einige Register wurden wieder an den Zustand von 1879 angeglichen.
- Der äußerst seltene sog. Generalschweller von 1879 wurde komplett restauriert.
- Die Orgel soll zukünftig in „Klima-Gottesdiensten“ durch Konfis als Kalkanten, also ohne motorgetriebenes Gebläse, betrieben werden.

Ausflug ins Innerste einer Orgel
Die Organistin kennt sich mit den Innenleben einer Orgel bestens aus. Die Arbeiten hat sie detailliert verfolgt: “Im Rahmen des Restaurierungsprojektes wurden auch einige Orgelregister, die 1975 umdisponiert worden waren, wieder an den ursprünglichen Zustand von 1879 angeglichen. Des Weiteren erhielt unsere Marcussen-Orgel wieder ihren ursprünglichen Generalschweller zurück, der leider 1975 stillgelegt worden war”.
Die voll funktionsfähige Balgtretanlage soll nach der gelungenen Orgelsanierung nicht nur bei Orgelführungen, sondern auch in „Klima-Gottesdiensten“ zum Einsatz kommen. Dabei sollen, wie von 1879-1957 praktiziert, „Konfis“ als Kalkantinnen und Kalkanten die Orgel mit Wind versorgen
Auf unserem Foto: Blick in die sogenannte “Kalkantenkammer”.

Orgelmusik ohne Strom beim nächsten "Klima-Gottesdienst"
Seit ihrer Inbetriebnahme bis 1957 wurde diese Orgel ausschließlich mit Muskelkraft bespielt. Dafür werden die Fußhebel von den Balgtretern nach unten getreten, woduch alle drei Kastenbälge mit Luft durchströmt werden, die dann in die Orgelpfeifen fließt.

Hintergrund: Die Marienkirche in Hohn
Mittelpunkt der Kirchengemeinde Hohn westlich von Rendsburg ist die über 300 Jahre alte Marienkirche. 1694 wurde sie nach zweijähriger Bauzeit eingeweiht. Ihre reiche Innenausstattung verdankt sie dem Umstand, dass sie damals die Nachfolge der Rendsburger Campen-Kirche antrat, die im Zuge von Festungserweiterungen abgerissen wurde. Bis heute zeugen der mittelalterliche Taufstein, das spätmittelalterliche Kruzifix und die kunstvollen Schnitzereien an Kanzel und Westempore von dieser „Erbschaft“.
Im 19. Jahrhundert wurde das Gesamtbild der Marienkirche durch den etwa 40 m hohen Turm ergänzt, der einen älteren Holzturm ersetzte, außerdem im Kircheninnenraum durch eine gelungene Verbindung von Altar und Orgel.
Linksammlung
- Zur Website der Kirchengemeinde Hohn
- Zur Vereinbarung von Terminen für die Besichtigung der Orgel: 0176 30319976
- Unsere Themenseite “Kirchen temperieren” für alles rund um die Temperierung von Kirchen mit historischen Mobiliar
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